Amyl and The Sniffers: „Comfort to Me”

Vor zwei Jahren betraten Amyl and The Sniffers mit ihrem gleichnamigen Debüt die Bühne. Sofort stürzte sich die Musikpresse auf die Frontfrau Amy Taylor und pries sie als eine der am härtesten rockenden Sängerinnen auf diesem Planeten.

Der musikalische Wahnsinn hat bei dieser Band Methode. Doch bei aller Euphorie setzen sich Amyl and The Sniffers der Gefahr aus, von der Industrie aufgesogen zu werden. Das Risiko ist groß, schließlich zählt das neue Werk der Australier schon jetzt zu den besten Platten des Jahres.

Was blieb von der Musikrevolution übrig?

Gerade die Geschichte des Punk beweist, wie schwierig es für junge Bands geworden ist, sich nicht von der Industrie vereinnahmen zu lassen. Während die Pioniere noch großen Wert darauf legten, dass der Kommerz zweitrangig sei, so ist die Musikrichtung heute längst mitten im Mainstream angekommen. Dieser hat schon vor langer Zeit die Vorteile eines allumfassenden Marketings erkannt.
Die Popkultur breitet sich längst in alle Gesellschaftsbereiche aus. Aktuellstes Beispiel ist der neue James-Bond-Film, der wieder einmal zahlreiche Geschäftspartner aus der Wirtschaft an seiner Strahlkraft teilhaben lässt. Dazu werden deren Produkte im Film ins beste Licht gerückt. Im Gegenzug profitiert beispielsweise die James-Bond-Uhr Seamaster Diver 300m von Omega von dessen Image.

Die Popkultur saugt neue Einflüsse blitzschnell auf

Der Geheimagent im Dienste ihrer Majestät bietet die ideale Projektionsfläche für viele Luxusmarken. Ob Nokia Smartphones, Bollinger Champagner oder Fahrzeuge, sie alle eigenen sich hervorragend dazu, um im zugehörigen Marketing glänzen zu können. So hat der Range Rover Sport SVR einen Auftritt im neuen Film und wird zu einem der Hauptdarsteller in einer großen Action-Szene. Und auch schon in der Vergangenheit beflügelte James Bond zahlreiche Branchen mit Szenen im Film: Zum Beispiel, als Daniel Craig in „Casino Royale“ in einer 20-Minütigen Szene am Pokertisch seinen Gegenspieler Le Chiffre in die Knie zwang, erlebten Online Casinos wie PokerStars Casino mit ihren zahlreichen Angeboten anschließend einen Boom, der bis heute anhält.

Angesichts dieser Effekte ist es kein Wunder, dass sich die Produktion der Actionreihe nicht vor Anfragen retten kann. Die Welt der Unterhaltung verschmilzt zu einem großen Ganzen, bei dem es immer schwieriger wird, Aufmerksamkeit zu generieren.

Referenz an die Vergangenheit mit klarem Blick in die Zukunft

Umso erstaunlicher ist der Erfolg einer Punkband aus Australien: Amyl and The Sniffers huldigen dem Pop als Gegenkultur und können seinen Verlockungen doch nicht widerstehen. Denn im Gegensatz zum Debüt hat die Band leicht an den Reglern geschraubt. Das Ergebnis ist ein gewaltiges Rockalbum, das keine Gefangenen macht.

Der „Comfort“ für Amy Stewart und ihre Mitstreiter besteht offenbar darin, jegliche Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Die vorab veröffentlichten Singles „Guided by Angels“, „Security“ und „Hertz“ haben den Weg bereits vorgezeichnet, das fertige Album folgt diesem, ohne auch nur Luft zu holen; von der ersten Minute an rasen die insgesamt 13 Songs, ohne Halt zu machen dahin. Kein Wunder also, dass die Platte lediglich auf eine Gesamtlänge von rund 35 Minuten kommt.

Die wilde Mischung setzt auch auf Melodie

Comfort to Me“ vereint alles, was Punk groß gemacht hat und bietet darüber hinaus auch noch jede Menge Spaß. Hier treffen punktgenaue Riffs auf klare Ansagen und einen donnernden Sound. Musikalisch finden sich Einflüsse des Hardcore ebenso wider, wie aus dem Garage-Punk und dem 1970er-Rock. Die wilde Mischung aus Riot-Girl und Dosenbier-Punk setzt auf ihrem zweiten Album „Comfort to Me“ allerdings verstärkt auf Melodien.

Das tut dem Quartett nicht nur gut, sondern schießt sie mit einem Schlag in die vorderste Reihe der angesagtesten Bands des Jahres. Nicht umsonst vergleichen Kritiker ihre Musik mit jener von Iggy Pop and The Stooges. Dieser Vergleich kommt nicht von ungefähr, schließlich mischte der Godfather of Punk die Szene vor 40 Jahren ebenfalls kräftig auf. Die Band selbst nennt unterschiedlichste musikalische Einflüsse. Dazu zählen nicht nur die Landsleute von AC/DC, sondern auch Dolly Parton, Cardi B. und die Sleaford Mods. Deren Aggressivität findet sich auch in den Texten auf „Comfort to Me“ wieder.

Die perfekte Mischung macht in diesem Fall den Erfolg aus und das ist nichts anderes als tolle Rockmusik. Neben den drei Singles stechen vor allem „Freaks to the Front“, „No More Tears“ und „Maggot“ hervor. „Comfort to Me“ wird zweifellos in zahlreichen Jahresend-Charts zu finden sein und die Tür für eine große Karriere öffnen. Jetzt liegt es nur noch an der Band selbst, diesen Weg zu beschreiten.