Das philharmonische Orchester: Ein unverzichtbarer Teil der deutschen Kulturlandschaft

Philharmonische Orchester gehören zur deutschen Kultur und sind fast in jeder großen Stadt zu finden. Sie sind das musikalische Resultat der gesellschaftlichen Veränderungen in Europa des 18. und 19. Jahrhunderts. Auch in der Umgebung von Osnabrück spielen talentierte Philharmoniker seit Jahrzehnten großartige Kompositionen der klassischen Musik und pflegen diese mit zahlreichen Projekten.

Photo by Pxhere; CC0 Public Domain (CC0 1.0)
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Freizeit und die bürgerliche Bewegung

Die moderne Einstellung zur Freizeitgestaltung ergab sich aus den gesellschaftlichen Entwicklungen des 18. und 19. Jahrhunderts. Die Industrielle Revolution teilte in vielen europäischen Städten den Tag konsequent in zwei unterschiedliche Abschnitte. Es gab strikte Zeiten, in der man arbeiten musste, der Rest war Freizeit. Diese Tatsache verstärkte deutlich das Bewusstsein für die Freizeit. Die allmähliche Rationalisierung der Arbeit hatte schließlich schrittweise die Arbeitszeitverkürzung und damit die Freizeitentwicklung ermöglicht. Hinzukam die verstärkte Aktivität der bürgerlichen Schicht in der Freizeit- und Entertainmentgestaltung, was in der Vergangenheit vom Adel dominiert wurde. Die Bourgeoisie zögerte nun nicht davor, kulturell aktiv zu werden und lange Reisen zu unternehmen. Ein Beispiel dafür war das steigende Interesse für deutsche Bäderstädte, die ihren Besuchern sowohl Entspannung als auch Entertainment anboten. Besonders Casinos übten auf die intellektuell gebildete Mittelschicht aus ganz Europa eine starke Anziehungskraft. Die bekannten russischen Schriftsteller Puschkin, Turgenew und Dostojewski verarbeiteten sogar die Erfahrungen, die sie in deutschen Casinos machten, in ihren Werken.

Im Bereich Kunst begannen Künstler ihre Unabhängigkeit zu unterstreichen und lösten langsam ihre Verbindungen zu den Adeligen, die früher die finanziellen Träger von vielen Werken waren. Innerhalb kürzester Zeit entstanden zahlreiche Kunstbewegungen wie der Realismus und der Impressionismus, deren Werke heute in Museen weltweit zur Schau gestellt werden. Im Bereich Theater entstand durch die Einführung des bürgerlichen Trauerspiels ein neues Genre, das sich zu Beginn der gesellschaftlichen Unterschiede und Konflikte zwischen dem Adel und der aufsteigenden Mittelschicht widmete. Später wandte sich das Theater der eigenen Schicht zu und kritisierte die unangebrachte Selbstzufriedenheit und kleinliche Moral der Bürger.

Die Entstehung der philharmonischen Orchester

Die Philharmonie war der musikalische Fuß der bürgerlichen Bewegung. Das Konzerthaus sollte die königlichen Bauten ersetzen und dadurch die Musik von den höfischen Formen lösen. Das Ziel war, den Orchestern Freiraum für musikalische Entfaltung zu gewähren. Im 19. Jahrhundert gründete man zahlreiche philharmonische Gesellschaften, um Konzerte zu organisieren. Dadurch griff die aufsteigende Mittelschicht auch im Bereich Musik die Eigeninitiative und produzierte die eigenen Kulturgüter für die Freizeitgestaltung. Aus dieser Bewegung sind in Deutschland zahlreiche philharmonische Orchester und Chöre entstanden, die bis heute ihre Tätigkeit fortsetzen.

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Auch in der Nähe von Osnabrück befinden sich zahlreiche Orchester, die ihre Gründung der bürgerlichen Bewegung verdanken. Eines davon sind die Bremer Philharmoniker. Der deutsche Komponist Johannes Brahms gab 1855 sein Debut mit diesen Musikern. Sein bekanntes Stück Ein deutsches Requiem wurde einige Jahre später in der Stadt uraufgeführt. Die Bremer Philharmoniker nennen sich heute selbst die tragende Säule des nord-westdeutschen Musiklebens und versuchen, die klassische Musik durch eine Vielzahl an genreübergreifenden Projekten, ähnlich wie die der NDR Radiophilharmonie, zu pflegen. Auch in Bielefeld befindet sich ein philharmonisches Orchester, dessen Wurzeln bis in das 19. Jahrhundert reichen. Das Orchester wurde offiziell 1901 gegründet, aber bekam erst dreißig Jahre später einen eigenen Saal. Seitdem bietet es den Zuschauern regelmäßig großartige Konzerte. Das aktuelle Ziel der Philharmoniker ist es, den jüngeren Generationen die klassische Musik zugänglich zu machen. Die Dortmunder Philharmoniker wurden dagegen 1887 gegründet. Wie die Bielefelder besaßen die Musiker lange Zeit kein festes Konzerthaus. Erst die Gründung des Dortmunder Theaters schaffte ihnen 1904 eine Stätte für ihre Musik. Heute arbeiten das Theater und die Philharmonie Hand in Hand und bieten den Zuschauern ein breites Spektrum an Kunst, das von Ballett bis hin zur Oper reicht.

Wie man sieht, waren das 18. und 19. Jahrhundert wichtige Zeitspannen für die deutsche Kulturlandschaft, welche durch die damalige bürgerliche Bewegung stark bereichert wurde. Auf der musikalischen Ebene schenkte uns diese Zeit zahlreiche philharmonische Orchester, die bis heute die klassische Musik pflegen und an die nächsten Generationen weiterleiten.