THE OCEAN – Phanerozoic I: Palaeozoic

Wenn ein Album am musikalischen Firmament erscheint, dessen Titel irgendwie mit einem Erdzeitalter zu tun hat, weiß die geneigte Hörerschaft schon, was und vor allem wer ihnen da ins Haus steht…! THE OCEAN reisen weiter durch die geomorphologische Geschichte unserer Erde und füllen mit ihrem neuen Werk PHANEROZOIC I: PALAEOZOIC die zeitliche und inhaltliche Lücke zwischen PRECAMBRIAN (2007) und HELIOCENTRIC / ANTHROPOCENTRIC (2010).

THE OCEAN – Phanerozoic I: Palaeozoic

Es geht um die Ausbreitung sowie Diversifizierung des Lebens inklusive wiederkehrender Massenvernichtung vieler Arten. Und da THE OCEAN nicht irgendeine Band ist, die dies mal eben so abhandelt, ist das aktuelle Konzept dann gleich auch wieder so umfangreich geworden, dass das vorliegende Album nur der erste Teil der Story ist. Teil zwei soll dann im Jahre 2020 erscheinen, so dass man schon jetzt davon ausgehen kann, dass es allen Beteiligten definitiv nicht langweilig wird.

Und nicht nur beim Anspruch ist sich THE OCEAN-Mastermind Robin Staps treu geblieben. Eine Konstante sind auch die ständigen Line-up-Wechsel im „Collective“. Immer noch mit von der Partie ist aber Sänger Loic Rossetti, der sich bei den neuen Songs in Höchstform präsentiert. Äußerst variabel changiert er zwischen wüsten Growls und fein gesungenen Melodien, wobei die cleanen Passagen durchaus im Fokus liegen. Eine kurze Pause bekommt er neben dem Intro beim Instrumental „The Carboniferous Rainforest Collapse“. Gesangliche Unterstützung findet er bei „Devonian: Nascent“. Hier greift sich zunächst KATATONIA-Sänger Jonas Renkse das Mikro, bevor Rossetti später wieder übernimmt. Dieses 11-minütige Epos mit seiner dunklen Melancholie inkl. Cello- und Klavieruntermalung ist sicherlich ein Highlight der Scheibe, und zeigt die ganze Bandbreite von THE OCEAN.

Aber auch der Rest ist von absoluter Spitzenklasse. Trotz unzähliger Details und jeder Menge Finesse im Songwriting und in den Arrangements scheint PHANEROZOIC I: PALAEOZOIC deutlich zugänglicher und direkter zu sein, als es noch die letzten Veröffentlichungen waren. Man wird unmittelbar ins Geschehen gezogen. Straffer und aufgeräumter klingt das neue Material, ohne es an progressiver Eloquenz mangeln zu lassen. Dies unterstreicht nicht zuletzt der geniale Schlusspunkt „Permian: The Great Dying“. Eine rauschhafte Mixtur aus Energie, Melodik und großen Emotionen. Der Track hinterlässt einen geplätteten Hörer, der nun nur noch fieberhafter auf die Fortsetzung dieses phänomenalen Meisterwerkes wartet!

Fazit: Großes Kino. Große Kunst. Kurz gesagt: THE OCEAN!

THE OCEAN – Phanerozoic I: Palaeozoic (Metal Blade)

(Jens)