Neues Album: „MUSICK“ von Laibach ist da
Mit „MUSICK“ melden sich Laibach eindrucksvoll zurück – und liefern ihr bislang wohl zugänglichstes, gleichzeitig aber auch konzeptuell dichtestes Werk ab. Das Album erscheint über Mute Records / [PIAS] und bewegt sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Pop-Appeal und subversiver Gesellschaftskritik.
Zwischen Pop und Provokation
Kritiker sind sich einig: „MUSICK“ trifft den Nerv der Zeit. Während Classic Pop das Album als „hyperreale Reflexion des Jetzt“ beschreibt, hebt Uncut hervor, dass es sich um Laibachs bislang poppigstes und zugleich widersprüchlichstes Werk handelt. Genau in dieser Reibung liegt seine Stärke.
Musikalisch öffnet sich die Band stärker denn je eingängigen Strukturen – inhaltlich bleibt sie jedoch ihrer Linie treu: eine kritische Auseinandersetzung mit Gegenwart, Technologie und kultureller Überreizung.

Neue Single: „Fluid Emancipation“
Mit Fluid Emancipation präsentieren Laibach eine Single, die sich intensiv mit Identität, Transformation und gesellschaftlichen Zwängen auseinandersetzt. Das dazugehörige Video integriert Szenen aus dem Film Fantasy (2025) und greift Themen wie Gender, Selbstfindung und Emanzipation auf.
Der Track entfaltet sich als eine Art kontrollierter Auflösung: Rhythmen wirken stabil und zugleich fragil, Melodien bleiben bewusst schwer greifbar. Inhaltlich kritisiert der Song die scheinbare Freiheit moderner Big-Tech-Systeme – und stellt die Frage, wie echte Selbstbestimmung heute überhaupt noch möglich ist.
Weitere Highlights des Albums
Bereits im Vorfeld sorgte die Single Allgorhythm für Aufmerksamkeit. Der Track – mit Gastbeitrag von Wiyaala und produziert von Richard X – ist eine bissige Abrechnung mit endlosem Social-Media-Scrolling und digitaler Reizüberflutung.
Auch das Titelstück Musick unterstreicht den konzeptuellen Kern des Albums: Musik als Obsession, als Droge – und als letzter kreativer Freiraum in einer zunehmend algorithmisch gesteuerten Welt.
Klangwelten & Konzept
„MUSICK“ ist ein bewusst maximalistisches Projekt. Entstanden im Studio in Ljubljana, vereint das Album eine Vielzahl an Einflüssen – von K-Pop und J-Pop bis hin zu 90er-Eurodance. Trotz dieser stilistischen Offenheit bleibt Laibach sich selbst treu:
„Our primary influence remained Laibach itself.“
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit einer Welt, in der Algorithmen Geschmack formen und künstliche Intelligenz kreative Prozesse herausfordert. Laibach reagieren darauf nicht mit Ablehnung, sondern mit Ironie und Überzeichnung – und nutzen genau diese Mechanismen, um sie gleichzeitig zu unterlaufen.
Visuelle Umsetzung
Das Video zum Titeltrack wurde in der Lettischen Akademie der Wissenschaften gedreht und von Morten Traavik inszeniert. Seine Vision beschreibt er als Mischung aus George Orwell und Lady Gaga – eine treffende Metapher für Laibachs künstlerischen Ansatz zwischen Dystopie und Pop-Ästhetik.
Tour 2026
Zum Albumstart geht die Band auf große Europa-Tour. Erste Termine im deutschsprachigen Raum:
- 20.05. Köln – Essigfabrik
- 02.06. Leipzig – Täubchenthal
- 03.06. München – Muffathalle
- 06.10. Bochum – Zeche
- 08.10. Hamburg – Große Freiheit 36
- 13.10. Berlin – Huxleys Neue Welt
- 14.10. Dresden – Reithalle
Weitere Termine sind bereits angekündigt.
Mit „MUSICK“ gelingt Laibach ein faszinierender Spagat: eingängiger Pop trifft auf tiefgreifende Analyse unserer digitalen Gegenwart. Das Album ist gleichzeitig zugänglich und herausfordernd – und stellt die vielleicht entscheidende Frage unserer Zeit:
Welche Rolle spielt menschliche Kreativität noch in einer Welt, die zunehmend von Maschinen bestimmt wird?






























