METALLICA – Hardwired…To Self-Destruct

Wohl kaum eine Veröffentlichung dürfte dieses Jahr so heiß ersehnt worden sein wie das neue Album der größten Rockband der Gegenwart. Die Rede ist natürlich von Metallica, die mit „Hardwired…To Self-Destruct” nach knapp achtjähriger Schaffenspause neues Material an den Start bringen, das streckenweise zu dem besten gehört, das sie seit langem geschaffen haben.

METALLICA - Hardwired…To Self-Destruct
METALLICA – Hardwired…To Self-Destruct

Dabei stecken Metallica in dem gleichen Dilemma wie alle großen Heroen des Rock’n’Roll, ob sie nun AC/DC, Slayer oder Iron Maiden heißen. Stets agieren sie in dem Zwiespalt zwischen Moderne und selbstreferenzieller Vergangenheit. Zwischen halbgarer Aufgüsse alter Erfolgsrezepte und der Anbiederung an den Zeitgeist fällt es denkbar schwer, den geneigten Fan und Sympathisanten zufrieden zu stellen. Insbesondere für eine Band wie Metallica, die alte Thrasher und – seit dem „Black Album“ – auch das Mainstream-Publikum unter einen Hut bringen muss.

Nun also „Hardwired…To Self-Destruct”, 12 Songs mit einer Spielzeit von fast 80 Minuten. Bereits die ersten Vorboten in Form der Videos zu „Hardwired“, „Moth Into Flame“ sowie „Atlas, Rise!“ waren mehr als vielversprechend: Lange Songs mit klasse Riffs, einem stimmigen Songaufbau und einer überraschend thrashigen Note erinnern durchaus an alte Glanztaten. Glücklicherweise reihen sich weitere Nummern in diese Riege ein, allen voran das schließende „Spit Out The Bone“, das einen förmlich in die kernigen Anfangstage der Band zurück katapultiert.

Nicht nur beim epischen „Halo On Fire“ beeindruckt Frontmann James Hetfield mit der wohl besten Gesangsleistung seiner Karriere. Die mitreißenden Vocalmelodien prägen eindeutig das neue Material, bei dem Kirk Hammett und Lars Ulrich das tun, was sie können und Robert Trujillo für den nötigen Tiefton-Unterbau sorgt.

Nach gut der Hälfte des Albums bekommt man allerdings den Eindruck, als hätten Metallica ihr Pulver ein wenig verschossen. Nun reihen sich einige Midtempo-Tracks aneinander, die im Vergleich zu den vorherigen Paukenschlägen ein wenig blass daherkommen. Mehr als versöhnt werden wir allerdings mit dem bereits erwähnten Rausschmeißer „Spit Out The Bone“, einer Thrash-Granate, die auch die ganz alten Fans begeistern dürfte.

Insgesamt bietet „Hardwired…To Self-Destruct” also überwiegend das beste Songmaterial, das wir seit mindestens 20 Jahren von Metallica gehört haben. In Anbetracht der Spielzeit, lässt sich da die eine oder andere „Füllnummer“ durchaus verschmerzen. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich mit einer derart starken Veröffentlichung nicht mehr gerechnet. Schön, dass mich Metallica eines Besseren belehrt haben! So ist „Hardwired…To Self-Destruct“ also weit davon entfernt, die Selbstzerstörung von Metallica einzuläuten.

METALLICA – Hardwired…To Self-Destruct (Vertigo / Universal)

(Jens)